Kultas

„Besser eine Kultaser Axt im Schädel als Ragewer Wein im Becher“
– Sprichwort aus Kultas„Ragew mag den Boden beherrschen, auf dem wir gehen. Aber Kultas verneigt sich nur vor den Gezeiten. Und die haben uns noch nie im Stich gelassen.“
– Tasmian von Kultas, einst Herr der Hochseeflotte in „Die Jahrhunderbelagerung – eine Geschichte aus Stolz“
Eingebettet in einen gigantischen, halbmondförmigen Krater, der sich wie ein steinernes Amphitheater dem tosenden Ozean öffnet, liegt Kultas – die unangefochtene Seemacht der anarkanischen Halbinsel, zu der sogar die Flotte von Ragew Abstand hält. Hier prallen Welten aufeinander: In der flachen „Umstadt“ floriert der Handel unzähliger Kulturen, während tief im labyrinthartigen Inneren der Klippen der alte Adel und ein unerbittliches Militär herrschen.
Kultas ist eine raue, stolze Metropole, in der brachiale Stärke in Arenen gefeiert wird, zerrissene Piratenflaggen als Warnung an den Ringmauern wehen und eine gigantische Flotte aus einem Labyrinth tödlicher Felsnadeln über die Meere wacht.
Regiert wird Kultas von Großfürst Helon III ab Achita, Graf zur See.
Erscheinungsbild & Atmosphäre
Kultas ist die nördliche Großstadt der anarkanischen Halbinsel. Ein breiter Handelsweg, die Taustraße, führt direkt von Keris durch die fruchtbaren Hügelebenen der Halbinsel bis auf die Landinsel nach Kultas. Kommt man von hier, erreicht man zuerst die „Umstadt“, das sind eine Reihe an Besiedelungen und Vororten auf den flachen Ebenen, bevor man zur Kernstadt gelangt. Steile Klippen, die über die Zeit hin vermauert wurden, steigen steil auf und fallen oben wieder flach zur Mitte ab, sodass sich eine Art halbmondförmige Caldera bildet, deren eine Seite im Meer zu versinken scheint. In der Mitte hat sich ein gewaltiges Hafenbecken gebildet. Somit ähnelt die Stadt einem Amphitheater, das sich zum Meer hin öffnet.
In der Umstadt tummeln sich Häuser aller möglichen Kulturen, die irgendwann mal einen Fuß auf die anarkanische Halbinsel gesetzt haben. Handelszentren in der Art von Karawansereien prägen den Eingang zur Umstadt. Kaufmannszentren verwalten den Handel, der von Wasser auf Land umgesetzt wird. Mit Tüchern und Planen überdachte Märkte bieten alles feil, was die Stadt auf dem einen oder anderen Weg erreicht. Uralte Heiligtümer, deren letzte Anhänger schon längst gestorben sind, verfallen langsam in Hinterhöfen, Tempel der großen Religionen und sogar eine kleine Kathedrale der Religion der alten Welt stechen aus den meist flachen Gebäude heraus.
Doch über allem erheben sich die gewaltigen Wände des Kessels. Schräge Mauern mit endlosen Pfaden und unzähligen Treppen erheben sich weit über die Dächer der Umstadt.

Die eigentliche Stadt Kultas, die Hochstadt, liegt im Inneren des Kraters und ist von außen kaum einsehbar. Sie kann nur auf drei Wegen erreicht werden. Zum Einen wäre da der Zugang zur See. Ein steter Strom an Schiffen und Booten passiert die Spitzen des Halbmonds, fährt in die Mitte des Kraters und legt an einem der unzähligen, wild gebauten Stege an, um Menschen und Waren an Land zu bringen. Zum Zweiten kann man die serpentinenartigen Lastpfade oder Treppen außen an den Klippen nach oben wählen. Oder aber man geht durch die Tore in einen der unzähligen Tunnel, die im Laufe der Jahrtausende in den Fels gehauen wurden. Überall im unteren Teil der Kernstadt kommen sie in prachtvollen Toren oder schmalen, kaum zu sehenden Felsnischen in Seitengassen aus dem Boden.
Erreicht man den oberen Rand des Plateaus, blickt man in einen gigantischen Trichter aus labyrinthartigen Wegen, Pfaden, Brückchen und Häusern. Teils auf riesigen Ebenen gebaut, teils schräg an der flach absteigenden Kesselwand drängen sich Gebäude dicht an dicht. die meist aus Lehm oder Sandstein gebauten Häuser lassen kaum breitere Straßen als viel mehr enge Gassen und Pfade frei. Teils endet ein Weg auf dem Dach eines Gebäudes, eine schmale Treppe führt zwischen zwei Häusern hinunter und man landet auf einem engen Platz, der einem wuseligen Basar gleicht und den man nur durch ein Tor verlassen kann, das aussieht, als führe es in ein Gebäude, obwohl es nur ein überdachter Weg ist.
Am oberen Rand des Kraters ist eine dicke, etwa mannshohe Mauer gebaut. Sie dient als Blende gegen den Beschuss von Land und See und als Patrouillenweg der Stadtwache.
Ein Stück vor dem Hafen erheben sich die Dolchsteine aus dem Wasser. Hunderte Felsen, teils halb vom Meer überspült, teils bis zu hundert Meter wie Dolche aus dem Meer hinausragend. Hier sind die Türme der Seestreitkräfte. Jede Abteilung der Flotte hat hier ihre Türme, Häfen und Kasernen. Die Größte dieser Inseln ist der Kreuzkamm. Der Fels, der von oben fast kreuzförmig aussieht, bietet Anlegestellen für 30 Kriegsschiffe der Flotte. Eine Festung ist in den Stein gehauen, fünf Türme (vier an jeder Seite und einer in der Mitte) krönen den Fels. Die Festung der Seewacht ist das Herz der Kultaser Flotte. Von hier werden die großen und kleinen Flotten der Stadt verwaltet und kontrolliert.
Geografie & Lage
Kultas markiert das Ende der „Steinernen Zunge“, einer massiven Landzunge, die weit in die Mündung des Großen Fjords hineinragt. Über weite Strecken erhebt sie sich mit hohen Klippen über das Meer. Gen Ende (also gen Kultas hin) flacht sie jedoch ab und verläuft sich ins Meer.
Geologisch betrachtet handelt es sich bei der Kernstadt von Kultas um ein implodiertes Hochplateau. Durch tektonische Prozesse ist das Zentrum des Plateaus in sich zusammengesackt und teilweise im Meer versunken, wodurch die charakteristische, halbmondförmige „Kesselform“ entstand. Die Dolchsteine sind Reste anderer Plateaus ähnlicher Art, die bereits versunken sind und von denen nur noch die zersplitterten Inseln übriggeblieben sind. Die vielen Felsen erfordern eine 8 jährige Ausbildung, ehe ein Kapitän allein ein Schiff in Richtung Kultas lenken darf.
Geschichte
Kultas wurde bereits ab etwa dem Jahr 600 im großen Frieden von Fischern bewohnt, denen das eingesackte Hochplateau eine geschützte Heimat vor Stürmen, Hochwasser und Tieren bot. Im ersten großen Krieg dann wurde klar, dass die einzigartige geografische Beschaffenheit den Ort auch gegen Landarmeen und Seeflotten schützen konnte. So strömten Menschen auf den Halbmond und gründeten Kultas. Innerhalb weniger Jahre stieg die Stadt zu einer geachteten Seemacht auf. Später breitete sie ihren Einfluss auch auf dem Land aus, womit sie mit Kutar und später Keris, sowie einer Menge Kleinfürstentümer in Konflikt geriet. Zu dieser Zeit zählten die Herzöge von Kultas zu den Karvenfürsten und bildeten lange Zeit sogar deren Spitze.
Die Konflikte endeten abrupt, als kurz nach der Anarkanisierung Ragew auf der anarkanischen Halbinsel einmarschierte. Während die anderen Großstädte schnell fielen, hielt Kultas lange Zeit durch. Die Zeit wird auch als die „Jahrhundertbelagerung“ bezeichnet. Während Ragew es schnell schaffte, den Landweg komplett zu blockieren und immer wieder in die Umstadt einzudringen, hielt die Flotte von Kultas die östliche Reihe der Ragewer Inseln und sicherte so die Versorgung der Stadt. Der Krieg hielt lange in einem Patt, wobei jede Seite immer wieder kleinere Erfolge zu melden hatte. Erst als die weiter und weiter hochgerüstete Fjordflotte Libindofs überraschend die Verteidigung von Kultas um die äußeren Dolchsteine brach, geriet Kultas ins Straucheln. Der Herzog von Kultas beschloss, weiteren Schaden von der Stadt fernzuhalten und unterzeichnete die Kapitulation.
Nach der vollständigen Besetzung durch Ragew und einer ein Jahr dauernden Regentschaft durch einen Ragewer Prinzen wurde letztendlich die Familie von Kultas erneut zum Herrscher der Stadt ausgerufen; diesmal als der fünfte Großfürst unter den Ragewer Königen. Die Stadt feierte die Quasiselbstverwaltung und trieb im Rausch der Euphorie alle Abgesandten Ragews aus der Stadt. Um ein erneutes Ausbrechen des Krieges zu vermeiden, akzeptierte man auf Ragew die schriftliche Entschuldigung des Großfürsten.
Ein letztes einschneidendes Ereignis gab es schließlich etwa 600 Jahre nach dem 2. detheeischen Krieg. Eine mächtige Händlerin, Achita, erreichte einen solchen Reichtum und eine solche Macht, dass der aktuelle Großfürst, Rux von Kultas, gegen sie vorging. Unterstützt von der Hochseeflotte putschte sie und löschte die Linie von Kultas nahezu aus. Nur die jüngste Tochter überlebte und wurde im Geheimen als Geisel an die Hochseeflotte gegeben.
Ihre Nachkommen dienen noch immer der Hochseeflotte. Ein Orden möchte sie wieder an die Macht bringen.
Bewohner & Kultur
Der mächtigste Mann der Stadt ist Helon III ab Achita, Großfürst von Kultas. Er regiert die Stadt. Als ehemaliger Wächter der Seefestung legt er einen starken Fokus auf den Ausbau und die Modernisierung der Seestreitkräfte. Dazu gehört auch der Zwang einer stärkeren Zusammenarbeit aller Flotten und eine klare Hierarchie, die die Seefestung unangefochten an die Spitze der Flotte stellt.
Kultas ist das kulturelle Zentrum des Nordens der anarkanischen Halbinsel. Eine breite Szene aus Künstlern, Orden und Religionen hat sich hier ausgebreitet. Unzählige Kunstwerkstätten, Bühnen, Sportgebäuden, Tribünen, Tempel, Altäre und Kleinstbibliotheken samt Schulen durchziehen die Stadt. Skalden tun in großen Hallen oder engen Hinterhöfen ihre Geschichten kund und erzählen von all den wunderlichen Orten, denen sie auf ihren Reisen in den anarkanischen Landen, auf ihren Seereisen oder auch in Kontinental-Lirzakin begegnet sind.
Besonders sind zudem die vielen Höhlen, die sich in den Hügeln und an den Klippen der Küsten rund um Kultas erstrecken. Einige sind bewohnt, andere waren es vor tausenden von Jahren.
Kultas ist zudem Sammelstelle unzähliger Kulturen. Als Hauptseehafen im Norden sammeln sich hier viele, die den Kontinent, die Magie oder die apanthrischen Völker aus welchem Grund auch immer verlassen wollten. So findet sich hier so ziemlich jede Religion, jede Lebensweise und jede Sprache, die Lirzakin kennt.
Genauso wie die Stadt geteilt ist, sind es aber auch die Adeligen. Während in der Hochstadt der Altadel residiert, hat sich in der Umstadt ein weitere Adel gebildet. Reiche, Mächtige und solche mit großen Namen sind zum neuen Kultaser Adel aufgestiegen. Ihre prächtigen, ausladenden Residenzen sind von den Mauern der Hochstadt unschwer zu übersehen. Die meisten von ihnen drängen jedoch darauf, in den Kreis des Altadels aufzusteigen und sich in der Hochstadt niederzulassen. Denn nur hier hat man wirklichen Einfluss auf den Großfürsten und das Militär.
Eine besondere Stellung in Kultas hat zudem die Jagd auf Piraten. Schon immer haben sie den Kultasern das Leben schwer gemacht. Und schon immer hat die Kultaser Flotte versucht, die Handelswege zu sichern. Seit der enormen Steigerung ihrer Fähigkeiten hat die Jagd nach Piraten jedoch stark an Fahrt aufgenommen. Kultaser Schiffe dringen weiter und weiter in die Gebiete der mächtigen Piratenclane ein und versenken ein Schiff nach dem anderen. Die Stadtmauer von Kultas hängen voll mit Piraten, deren zerschnittener Flaggen und Beuten.
Wichtige Orte/ Räumlichkeiten
Einer der wichtigsten Orte von Kultas ist natürlich der Seepalast des Großfürsten. Dies ist der offizielle Sitz des Herrschers und für die meisten Herrscher von Kultas auch der Ort, an dem sie sich am meisten aufhalten. Wie der Name bereits sagt, befindet sich der Palast nicht in Kultas direkt. Stattdessen liegt er auf einem der Dolchsteine; noch weiter draußen als die Seefestung. Die Insel wirkt wie eine Miniform von Kultas selbst. Auch sie bildet eine Kaldera mit Hafen in der Mitte. Doch in ihren Ausmaßen ist sie bedeutend kleiner. An ihren Hängen sind Gärten, gepflegte Wälder, ein Fluss und neben dem Seepalast noch weitere kleinere Paläste, die die erweiterte Familie des Großfürsten bewohnt. Geschützt wir die Insel von kaum sichtbaren Riffen, die jedes Schiff aufreißen, das den genauen sicheren Pfad nicht kennt.
Fast genauso wichtig ist der Stadtpalast. Dies ist das offizielle Regierungsgebäude von Kultas und der Wohnort des Großfürsten in der Stadt. Den Gesetzen nach muss der Großfürst mindestens alle 10 Tage einmal dort gewesen sein; ansonsten geht die Macht an den Rat der Obhut über, der den Großfürsten kontrolliert und unterstützt und sich aus Mitgliedern des Altadels zusammensetzt.
Auch in den Dolchsteinen gelegen sind die Flottentürme von Kultas. Die Stadt besitzt nicht nur eine, sondern viele Flotten. Sie alle haben in den Dolchsteinen ihren Hauptsitz. Diese Flottentürme beherbergen ebenso einen großen Teil der Macht. Die größten Flotten und damit auch die mächtigsten Flottentürme sind die Hochseeflotte mit ihrem Flottenturm weit draußen auf See auf einer Insel, deren Fläche in etwa so groß wie die Hochstadt selbst ist, die Riffflotte, die einen Großteil der Dolchsteine bewacht und deren Flottenturm gleich auf drei Inseln sitzt, die mit Brücken verbunden sind, und die Fjordflotte, die bis ans Ibundiler Gebirge operiert und deren Hauptsitz vor nicht allzu langer Zeit wieder nahe an Kultas verlegt wurde.

Die Macht der Flotten vereinigt sich dann in der Seeefestung (oder auch Kreuzkammfestung). Die Kreuzkammfestung ist in einen Fels geschlagen, der ein Stück weit vor dem Ausgang aus dem Kultaser Hafen liegt. Die Insel ist beachtlich groß, wird jedoch vollständig von der Festung, den Werften und Anlegern bedeckt, die Weit ins Meer hinausreichen und der Insel so eine kreuzförmige Form geben. Hier sind die Admirale der Flotten untergebracht. Sie dürfen nicht in ihren Flottentürmen wohnen und die Insel nur für maximal acht Tage verlassen. Hier tagt auch der Militärrat von Kultas; es wird also auch über die mittlerweile immer mächtiger werdenden Landstreitkräfte entschieden.
Ein letzter wichtiger Ort ist das Piratengrab. Eine Untiefe in den Dolchsteinen. Piratenschiffe, teils samt Besatzung werden hier reingetrieben, zerschellen an Felsen oder reißen sich die Rümpfe auf und versinken so. Es ist eine Warnung, sich nicht mit Kultas anzulegen. Und eine Ansage an die Piraten. Sucher fischen im Nachhinein alles Brauchbare aus den Schiffen, sodass nur Gerippe zurückbleiben. Die Flaggen werden der Stadt übergeben und zerschnitten an die Mauern von Kultas gehangen.
Besonderheiten & Ressourcen
Kultas und seine Umgebung leben noch immer viel vom Fischfang und allem anderen, was das Meer zu bieten hat. So finden sich Perlen- und Schatztaucher in den Dolchsteinen, Muschelfarmen in den unzähligen Buchten und besonders viel Handel über See.
Seit der Anarkanisierung ist jedoch auch der Handel über Land stark gewachsen. So ziehen Handelskarawanen weit über die anarkanische Halbinsel und transportieren Waren aus Lirzakin ins Landesinnere oder bringen besonders Getreide und Wein nach Kultas, der von dort weiter in den Osten geschifft wird.
In Kultas herrscht zudem eine Kultur der Stärke. Brachiale Kraft wird gefeiert. So gibt es überall Arenen, in denen gerungen oder geboxt, gekämpft oder in einem Wettkampf gegeneinander angetreten wird. So sind auch die Krieger von Kultas, die Kultaseraner penibel auf das Training von Kraft uns Ausdauer bedacht und rennen äxteschwingend in die Schlacht.
Kultas sieht sich selbst auf Augenhöhe mit Ragew. Im Kultaser Weltbild haben sich Ragew und Kultas die anarkanischen Lande und die See aufgeteilt. Ragew den Süden, Kultas den Norden. Entsprechend stolz reagieren sie auch auf Vertreter aus Ragew, die in Kultas ein und ausgehen.


